Schweizer Ölversorgung bleibt angespannt – Nahost-Eskalation treibt Ölpreise über 100 Dollar

Die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten bleibt angespannt. Neben dem Produktionsunterbruch der Raffinerie Cressier belastet insbesondere die anhaltend eingeschränkte Schifffahrt auf dem Rhein die Versorgungslage. Zur Stabilisierung des Schweizer Marktes hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung deshalb vom 8. bis 20. September begrenzte Bezüge aus den Pflichtlagern bewilligt. Damit stehen zusätzlich bis zu 30'000 m³ Diesel und 30'000 m³ Benzin zur Verfügung. Die Massnahme dient ausschliesslich der Versorgung des Schweizer Marktes und stellt die Versorgung kurzfristig sicher.

Nahost-Konflikt verdrängt alle anderen Marktfaktoren

International hat sich die Lage in dieser Woche weiter zugespitzt. Die zunehmenden Spannungen am Persischen Golf, Angriffe auf Energieanlagen und die anhaltenden Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus erhöhen die Sorge vor länger anhaltenden Lieferunterbrechungen. Gleichzeitig hat sich der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthi im Jemen weiter verschärft. Damit steigt die Gefahr, dass sich der Konflikt auf weitere Teile der Region und wichtige Transportwege ausweitet.

Die geopolitische Risikoprämie ist entsprechend deutlich gestiegen. Brent und WTI bewegen sich wieder über der Marke von 100 Dollar pro Barrel. Auch ICE Gasoil setzte seine Aufwärtsbewegung fort und lag am Donnerstag um 17:30 Uhr bei 1'474,50 USD pro Tonne, rund 86 Dollar über dem Schlusskurs des Vortages. Die fundamentale Markteinschätzung bleibt damit bullish.

US-Lagerdaten ohne klare Entspannung

Die am Donnerstag veröffentlichten DOE-Lagerdaten fielen uneinheitlich aus. Die Rohölbestände in den USA gingen zwar leicht zurück, gleichzeitig stiegen die Benzinbestände um rund 1,3 Mio. Barrel und die Destillatbestände um rund 2,1 Mio. Barrel. Trotz dieser Zuwächse kann jedoch noch nicht von einer nachhaltigen Entspannung gesprochen werden, da die Produktbestände weiterhin auf saisonal vergleichsweise tiefem Niveau liegen. Entsprechend konnten die US-Lagerdaten die geopolitisch getriebene Preisrally nicht bremsen.

Ausblick: Preise bleiben volatil und unter Aufwärtsdruck

Zum Ende der Woche dominieren weiterhin die geopolitischen Risiken den internationalen Ölmarkt. Eine weitere Verschärfung der Situation im Nahen Osten, zusätzliche Angriffe auf Energieanlagen oder eine weitere Einschränkung der Transporte durch die Strasse von Hormus könnten die Preise nochmals deutlich nach oben treiben.

Für die Schweiz kommt die angespannte Rheinsituation als zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Die Versorgung ist dank der Pflichtlagerfreigabe kurzfristig gesichert, die logistischen Einschränkungen bleiben jedoch bestehen.

Börsendaten 11.09.2026 um 08:50
ICE-Gasoil Sep: 1493.25$
ICE-Brent Nov: 105.83$
NY-Rohöl WTI Okt: 101.09$
US-Dollar/CHF: 0.8133
Rheinfracht nach Basel: 215.00