Der Winter kommt – und die Versorgung wird zur Herausforderung

Die Heizperiode hat begonnen, doch eine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt ist weiterhin nicht in Sicht. Geopolitische Spannungen, hohe Transportkosten und das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein setzen den Schweizer Markt zunehmend unter Druck. Dabei rückt neben dem Preis vor allem eine Frage in den Vordergrund: Wie zuverlässig sind Heizöl und Treibstoffe überhaupt noch verfügbar?

Brent notiert aktuell bei rund USD 105 pro Fass. Meldungen über mögliche zusätzliche Diesellieferungen aus Russland sorgen zwar kurzfristig für etwas Entspannung, doch die Lage bleibt fragil. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und die Risiken rund um die Strasse von Hormus halten die Märkte in Atem. Weitere kräftige Preisschwankungen sind jederzeit möglich.

 

Rhein-Niedrigwasser treibt Frachten in die Höhe

 

Besonders kritisch bleibt die Situation auf dem Rhein. Der Pegel bei Kaub liegt heute Morgen bei gerade einmal 20 Zentimetern. Schiffe können deshalb nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren. Die Rheinfrachten haben sich entsprechend verteuert und liegen aktuell bei rund CHF 275 pro Tonne. Bei normalen Wasserständen bewegen sich diese häufig lediglich zwischen CHF 22 und 28 pro Tonne.

Diese enormen Mehrkosten belasten die Schweizer Einstandspreise. Gleichzeitig müssen fehlende Schiffsmengen zunehmend über Bahn und Strasse kompensiert werden – Transportwege, deren Kapazitäten bereits stark ausgelastet sind. Die Wetterprognosen lassen vorerst keine nachhaltige Verbesserung der Rheinpegel erwarten.

 

Produkteverfügbarkeit zunehmend angespannt

 

Wie ernst die Lage mittlerweile ist, zeigt die Einschätzung des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung. Dieses bezeichnet die Versorgungssituation bei Treibstoffen ausdrücklich als «sehr angespannt».

Bereits im September musste der Bund vorübergehend Pflichtlagerbestände für Benzin und Diesel freigeben. Auslöser waren der gleichzeitige Ausfall der Raffinerie Cressier und die massiven Einschränkungen auf dem Rhein. Obwohl Cressier inzwischen wieder produziert, bleibt die Versorgungskette empfindlich.

Aufgrund des Niedrigwassers transportieren einzelne Rheinschiffe derzeit lediglich noch 300 bis 400 Tonnen. Gleichzeitig kommt es bei Bahnlieferungen zu Verzögerungen. Die Folge: Die kurzfristige Beschaffung von Diesel und Benzin wird zunehmend schwieriger, insbesondere bei grösseren Mengen. Hinzu kommt, dass die freigegebenen Pflichtlagerbestände innerhalb von sechs Monaten wieder aufgefüllt werden müssen, was den Beschaffungsdruck zusätzlich erhöhen kann.

Die Herausforderung ist damit längst nicht mehr nur der Preis, sondern zunehmend auch die tatsächliche Verfügbarkeit der Produkte. Besonders betroffen sind Unternehmen aus dem Transport-, Bau- und Logistikgewerbe, sowie auch Tankstellen, die auf eine kontinuierliche Treibstoffversorgung angewiesen sind.

 

Herbstgeschäft trifft auf ausgelastete Logistik

 

Während sich die Temperaturen in dieser Woche nochmals von ihrer milden Seite zeigen, kündigt sich auf das Wochenende hin eine Abkühlung an. Damit dürfte auch der Heizbedarf wieder zunehmen.

Gleichzeitig treffen aufgeschobene Sommerbestellungen auf den regulären Herbst- und Winterbedarf. Die ohnehin eingeschränkten Importkapazitäten und die stark beanspruchte Transportlogistik können diese Mengen nicht beliebig schnell bewältigen.

Längere Lieferfristen und eine eingeschränkte Flexibilität bei den Lieferterminen sind die Konsequenz. Die Versorgung der Schweiz ist grundsätzlich sichergestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede gewünschte Menge jederzeit und kurzfristig verfügbar ist.

 

Unsere Empfehlung: Versorgung sichern statt auf den perfekten Preis warten

 

Kurzfristige Preisrückgänge bleiben möglich. Angesichts der geopolitischen Risiken, der aussergewöhnlich hohen Rheinfrachten und der angespannten Produkteverfügbarkeit überwiegen derzeit jedoch die Unsicherheiten.

Wir empfehlen deshalb sowohl Heizölkunden als auch Unternehmen mit regelmässigem Treibstoffbedarf, ihre Bestände frühzeitig zu prüfen und benötigte Mengen rechtzeitig einzuplanen. Wer ausreichend Reserven hat, kann seinen Bedarf auch in Teilmengen absichern und damit das Preisrisiko verteilen.

 

Denn in diesem Herbst entscheidet nicht mehr allein der Preis. Entscheidend wird zunehmend, ob die benötigte Menge zum gewünschten Zeitpunkt überhaupt geliefert werden kann.

 

Börsendaten 13.10.2026 um 08:35 Uhr


ICE-Gasoil NOV: 1388.00$
ICE-Brent DEZ: 105.39$
NY-Rohöl WTI NOV: 92.48$
US-Dollar/CHF: 0.8334
Rheinfracht nach Basel: 275.00